Papier und Raumklima

Das Raumklima wird von vielen Faktoren beeinflusst: Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Niederschläge und Sonneneinstrahlung.

Papier ist hygroskopisch, es „lebt“, denn das Naturprodukt Holz behält seine natürlichen Eigenschaften bei - auch in der Holzschliff- und Zellulosefaser. Dies bedeutet, dass die Faser bei Wasseraufnahme quellen kann und bei Wassserabgabe schrumpfen kann – und dies bis zu 30 % ihrer normalen Breite. Allerdings bleibt sie dabei in der Längsrichtung nahezu unverändert. Daraus folgt wiederum, dass das Papier in Laufrichtung wesentlich schwächer auf Feuchtigkeitsunterschiede reagiert als quer dazu.

Je weiter die relative Feuchtigkeit der Raumluft von der Papierrestfeuchte abweicht, desto größer ist die Gefahr, dass es zu Problemen bei der Weiterverarbeitung kommt. Schon bei einer Differenz von 10 % besteht ein erhöhtes Risiko von Tellern, Randwellen oder statischer Aufladung. Besonders in kalten und feuchten Jahreszeiten ist dem Papier vor der Verarbeitung eine Anpassungsmöglichkeit zu gönnen, die abhängig ist vom Raumklima und der Größe des Papierstapels. Die Angleichung von kaltem Papier an die Raumtemperatur soll immer im verpackten Zustand geschehen und nimmt folgende Zeiträume (Stunden/h) in Anspruch:

Unterschiede zwischen Papier- und RaumklimaGröße des Papierstapels
0,2 m³0,4 m³0,6 m³1,0 m³2,0 m³
5°C6(h)8(h)10(h)11(h)12(h)
6°C7(h)9(h)11(h)12(h)13(h)
7°C8(h)10(h)12(h)13(h)14(h)
8°C9(h)11(h)13(h)14(h)15(h)
9°C10(h)14(h)17(h)18(h)21(h)
10°C11(h)15(h)20(h)22(h)24(h)
15°C16(h)23(h)28(h)32(h)36(h)
20°C22(h)33(h)45(h)52(h)60(h)
25°C27(h)43(h)64(h)77(h)100(h)

Beim Offsetdruck erhöht sich durch das Offset-Feuchtwasser auch die Gleichgewichtsfeuchtigkeit des Druckpapiers. Beim Mehrfarbendruck nimmt das Papier ca. 10 % Wasser auf, Naturpapier unter Umständen noch mehr. Eine hohe Luftfeuchtigkeit würde diesen Effekt noch verstärken. Daher muss auch bei Offsetdruck auf ein konstantes Raumklima geachtet werden. 

Feuchtigkeit beeinflusst auch die elektrische Leitfähigkeit von Papier. Bei zu trockenem Papier oder Raumklima kann die durch Reibung (bei Erzeugung, Druck, Verarbeitung) entstehende Elektrizität nicht abfließen und führt zu einem Aneinanderhaften der Bogen.

Folgen dieser statischen Elektrizität können sein:

  • Doppeleinzug
  • Auslageprobleme
  • Passerdifferenz
  • Ablegen der frischen Druckfarbe

Für Abhilfe sorgen:

  • Erhöhung der Luftfeuchtigkeit
  • Entionisierungs- und Entelektrisierungsgeräte 

Schmalbahn/Breitbahn – was ist das?

Bei der Blattbildung auf dem „endlosen“ Sieb in der Papiermaschine richten sich die Rohstofffasern überwiegend parallel zur so genannten Laufrichtung der Papierbahn aus.

Je nachdem, welche Papier-Rollenbreite und welche Abschnittslänge gewählt wird, können Papier-Bogen-Formate in Schmalbahn oder Breitbahn herausgeschnitten werden.

Weil die „ausgerichteten“ Fasern dem Papier in Quer- und Längsrichtung ganz unterschiedliche Festigkeitseigenschaften verleihen, ist für den Papierverarbeiter die Laufrichtung (also Schmal- oder Breitbahn) von großer Bedeutung. 

Möglichkeiten zur Feststellung der Laufrichtung

Reißprobe: Reißt man ein Papierblatt von 2 Seiten her ein, so wird der Einriss parallel zum Faserverlauf mit weniger Widerstand möglich sein und gerader verlaufen als der Einriss quer zur Laufrichtung.

Biegeprobe: Schneidet man einen beliebig breiten Streifen längs und einen zweiten, gleich großen quer aus einem Papier-/Karton-Bogen heraus und legt beide Streifen aufeinander, so wird einer der Streifen beim Hin-und-her-Bewegen steifer als der andere sein. Dieser Streifen zeigt die Laufrichtung an.

Nagelprobe: Zieht man die beiden an einer Ecke zusammenlaufenden Kanten eines Papierbogens zwischen den Nägeln von Daumen und Zeigefinger hindurch, so wird eine Kante weniger wellig als die andere werden. Parallel zu dieser glatteren Kante ist die Laufrichtung des Papieres.

Feuchtigkeitsprobe: Feuchtet man einen Papierabschnitt einseitig leicht an und legt sie mit der feuchten Seite auf die Hand, wird sich das Papier zur trockenen Seite hin aufdrehen. Parallel zur Dreh-/Rollachse ist die Laufrichtung.

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