Themen:
Lichtechtheit
Lichtechtheiten der Druckfarben
Die Molekularstruktur der in der Druckfarbe eingearbeiteten Farbpigmente bestimmt durch die Reflexion und Absorbierung des weißen Lichts den Farbton. Je länger und intensiver das Licht auf die Farbe scheint, desto stärker wird die Molekularstruktur verändert, was zum Ausbleichen der Farbe führt. Je widerstandsfähiger ein Farbpigment gegen die Wirkung des Lichtes ist, desto länger ist der Zeitraum, bis eine sichtbare Veränderung der Farbe eintritt.
Die Prüfung der Lichtechtheiten von Drucken und Druckfarben ist in DIN/ISO 12040 erfasst. Das Ergebnis wird in der Wollskala zwischen 1 und 8 dargestellt. Details der Prüfungsvorgaben können Sie in den Veröffentlichungen der FOGRA nachlesen.
Ganz entscheidend für die Resistenz der Druckfarbe bzw. des Druckes gegen das Licht sind der Mengenanteil der Pigmente und der Farbton. Ein dunkles Blau mit einer Lichtechtheit von WS 6 ist sehr gut. Wenn diese Farbe aber durch Lasurweiß aufgehellt wird, verändert sich die Lichtechtheit mit Verringerung der Farbanteile und kann bis auf WS 2 sinken.
Die Farbe Cyan aus der Euroskala hat eine Lichtechtheit von WS 8
Die Farbe Magenta aus der Euroskala hat eine Lichtechtheit von WS 5
Die Farbe Yellow aus der Euroskala hat eine Lichtechtheit von WS 5
Die Farbe Schwarz aus der Euroskala hat eine Lichtechtheit von WS 8
Diese Angaben beziehen sich jeweils auf den Druck als Vollfläche. Wenn die Fläche aufgerastert wird, so ist die Fläche mit einem 5%igen Raster nicht so resistent gegen das Licht wie eine Fläche mit einem 80%igem Raster.
Lichtechtheiten bei 4-farbigen Drucken
Wenn ein Plakat oder ein Katalog mit farbigen Bildern versehen ist, so wird je nach der Lichtintensität oder der Verweildauer zuerst die Farbe mit der niedrigsten Lichtechtheit verblassen. Dieses ist bei der klassischen Euroskala das Magenta und das Yellow. Wenn durch die Rasterung z.b. ein grüner Farbton erzeugt wurde, so wird er durch das Licht je nach Intensität und Kontakt wieder in die Richtung Cyan verändert, da das Yellow nur WS 5 und das Cyan aber WS 8 hat. Allein durch die Resistenz der unterschiedlichen Pigmente ergibt sich dann eine starke Verschiebung des Farbtons. Wenn aus dem Yellow und dem Magenta ein Orange erzeugt wird, so verschiebt sich unter normalen Umständen der Farbton nicht in Richtung Magenta oder Yellow, sondern wird nur blasser.
Lichtechtheiten bei Schmuckfarben
Ähnlich wie bei den Farbtönen, die durch Tonwerte im 4-C-Bereich erzielt werden, verhält es sich bei den Schmuckfarben. Auch hier bestimmt die Grundfarbe mit der geringsten Resistenz gegen das Licht die Aussage über die Höhe der Lichtechtheit. Für ein neutrales helles Grau, wie Cool Gray 3 aus dem Pantone®-Fächer, wird normalerweise eine Lichtechtheit von WS 2–3 angegeben. Die Rezeptur besteht laut Fächer aus 1,4% Black, WS 8, 0,6% Blue 072, WS 4, und 98% Transparentweiß. Wegen der geringen Lichtechtheit des Blue 072 und der hohen Menge an Lasurweiß wird die Lichtechtheit mit WS 2–3 bestimmt. Die hohe Lichtechtheit der Farbe „Black“ spielt keine Rolle. Wenn mit dieser Farbe ein Geschäftsbericht gedruckt oder dieser Farbton als CI (Corporate Identity - Hausfarbe) festgelegt wird, so besteht die Gefahr, dass sich durch unterschiedliche Lichtintensität und/oder Verweildauer dieser Farbton verändert. Dadurch kann aus rein visuellen Gründen eine Reklamation des Kunden erfolgen.
Lichtechtheit von Papieren
Speziell von der Werbeindustrie werden immer mehr strahlend weiße Papiere gewünscht. Um diesen Effekt zu verstärken, werden sehr oft „optische Aufheller“, bekannt aus der Waschmittelwerbung, eingesetzt. Diese optischen Aufheller haben aber nur eine begrenzte Wirkdauer. Vor allem dann, wenn die Drucksachen den UV-Strahlen des Sonnenlichts ausgesetzt werden, verlieren diese innerhalb von Stunden ihre strahlende Wirkung und das Papier wird stumpf-gräulich. Der Druck verliert an Kontrast und speziell bei hellen (Pastell-) Tönen findet eine optische Veränderung der Farbe statt – sie wird in den meisten Fällen gelblicher.
Resümee:
- Die Pigmente mit der geringsten Resistenz gegen das Licht werden zuerst verblassen – unabhängig davon, ob diese als reine oder innerhalb einer gemischten Farbe vorkommen.
- Die Farben, die durch Lasurweiß aufgehellt wurden, verlieren an Lichtechtheit.
- Ein helles Cyan aus der Euroskala ist resistenter als z.B. ein dunkles Blue 072 aus dem Pantone®-Misch-System. Daher spricht die Intensität einer Farbe nicht immer für eine sehr gute Lichtechtheit.
- Für den Druck von Plakaten sollten grundsätzlich Farben mit einer Lichtechtheit von mindestens WS 6 eingesetzt werden.
- Je länger eine Drucksache präsentiert und damit dem Tageslicht ausgesetzt wird, desto höher muss die Lichtechtheit sein.
- Wenn Pastelltöne gedruckt werden, sollte das Papier nur geringe oder keine optischen Aufheller haben.
Was kann man tun:
- Klären Sie mit Ihrem Kunden die weitere Verwendung der Drucksachen.
- Geben Sie Ihrem Auftraggeber Einblick in die Tabelle mit den Lichtechtheitsstufen.
- Bei Grenzfällen versuchen Sie, so früh als möglich den gewünschten Farbton zu definieren, und wenn nötig sprechen Sie mit Ihrem Farblieferanten über die Möglichkeiten der Optimierung der Lichtechtheit.
- Bei der Festlegung von CI-Farben sollte man grundsätzlich keinen Farbton mit einer Lichtechtheit unter WS 5 akzeptieren.
| Lichtechtheit von Druckfarben nach der Wollskala | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stufe | max. Beanspruchung | Intensive Sonnen- bestrahlung | ø Freibelichtungs- dauer in Deutschland | ||||
| Sommer | Winter | ||||||
| WS 1 | sehr gering | ≤ | 20 Stunden | ≈ | 5 Tage | ||
| WS 2 | gering | ≤ | 40 Stunden | ≈ | 10 Tage | ||
| WS 3 | mäßig | 4 … 8 Tage | 2 … 3 Wochen | ≤ | 80 Stunden | ≈ | 20 Tage |
| WS 4 | ziemlich gut | 2 … 3 Wochen | 2 … 3 Monate | ≤ | 160 Stunden | ≈ | 40 Tage |
| WS 5 | gut | 3 … 5 Wochen | 4 … 5 Monate | ≤ | 350 Stunden | ≈ | 80 Tage |
| WS 6 | sehr gut | 6 … 8 Wochen | 5 … 6 Monate | ≤ | 700 Stunden | ≈ | 160 Tage |
| WS 7 | vorzüglich | 3 … 4 Monate | 7 … 9 Monate | ≤ | 1.500 Stunden | ≈ | 350 Tage |
| WS 8 | hervorragernd | > 18 Monate | ≤ | 3.000 Stunden | ≈ | 700 Tage | |
Quelle: Das Nachschlagebuch, Formeln und Tabellen für Print- und Digitalmedien - Hans-Jürgen Halkasch | |||||||
| Farbtemperatur der unterschiedlichen Lichtarten | |||
| Lichtart | Kelvin | Lichtart | Kelvin |
|---|---|---|---|
| klarer blauer Nordwesthimmel | 20 000 K | Leuchtstofflampe, tageslicht weiß | 5 000 k |
| HPR-Lampen | 16 000 K | Tageslicht, morgens | 3 500 K |
| bewölkter Himmel | 7 000 K | Leuchtstofflampe, neutralweiß | 3 500 K |
| mittleres Tageslicht | 6 500 K | Leuchtstofflampe, warmweiß | < 3 500 K |
| Elektronenblitz | 6 500 K | Nitraphotlampe | 3 200 K |
| helle Mittagssonne, blauer Himmel | 6 000 K | 500-W-Glühlampe | 2 900 K |
| Kohlebogenlicht | 6 000 K | 100-W-Glühlampe | 2 100 K |
| Sonnenlicht mittags | 5 800 K | Tageslicht bei Sonnenaufgang | 1 850 K |
| Xenonlampe | 5 500 K | Kerzenlicht | 1 500 K |