Themen:
Abstimmung von Schmuckfarben
Da mittlerweile die Stimmigkeit einer Schmuckfarbe nicht mehr nur nach optischer Übereinstimmung mit einer Vorlage (Fächer etc.) erfolgen kann, wurden neue Methoden und Techniken zur Bestimmung des Farbtones definiert.
Was bedeutet Buntton, Helligkeit und Buntheit?
Dieses entnehmen Sie bitte der Veröffentlichung der FOGRA vom August 2003, von Dr. Andreas Paul:
http://www.fogra.org/products-de/download/SoDruck3.pdf
Die Basis:
Der bisherige klassische Weg zur Prüfung der Übereinstimmung ist die rein optische Kontrolle durch das menschliche Auge. Die Betrachtung erfolgt innerhalb eines Bereiches, der durch eine Lichtquelle von 5000 Kelvin ausgeleuchtet wird.
An der Druckmaschine wird die Vorlage mit dem Druck verglichen. Dazu benutzt man eine so genannte Farbbrille und ein Densitometer.
Wenn der Farbton dann optisch übereinstimmt, wird eine Messung mit einem Densitometer durchgeführt. Diese Messung zeigt die Dichte der Farbe auf dem Papier an. Bei einem hellen Grau wird eine niedrigere Zahl angezeigt als bei einem Dunkelblau. Eine Dichte von 0,90 zeigt eine hohe Reflexion des Lichtes vom Papier zur optischen Einheit des Densitometers, eine Dichte von 2,3 zeigt eine geringere Reflexion. Der Wert verändert sich auch durch die Schichtdicke der Druckfarbe auf dem Papier. Diese Veränderung ist aber nicht so gravierend wie bei dem Wechsel von Hellgrau auf Dunkelblau.
Der von dem Densitometer gelieferte Wert, z.B. „D 1,55”, gilt nach der Druckabnahme als Referenz für den Fortdruck.
Die genaue Definition und Funktion eines Densitometers entnehmen Sie bitte der Internetseite: http://de.wikipedia.org/wiki/Densitometer
Spektralfotometer:
Die Messung mit dem Spektralfotometer dient zur Ermittlung von Remissions- bzw. Transmissionswerten und zur fotometrischen Auswertung als Basis für das Colormanagement. Die Anzeige des Spektralfotometers gibt die Position der Farbe innerhalb einer Farbkugel an. Die Farbwertanteile werden in 3 Achsen gezeigt:

Umfangreiche Informationen hierzu entnehmen Sie bitte der Internetseite: http://de.wikipedia.org/wiki/Spektralfotometer
Umfangreiche Informationen entnehmen Sie bitte der Internetseite:
http://de.wikipedia.org/wiki/CIELab
Der Farbraum dient zur Definition eines Farbtons, unabhängig davon, wie oder wo er produziert wurde. Wenn man einen Farbton anhand des CIEL*a*b*-Farbraums definiert hat, ist dieser Wert der Richtwert für alle Produktionsschritte, die im Nachhinein erfolgen. Am Ende der Produktionskette sollte der Farbton auf dem Bedruckstoff annähernd die gleiche Position im CIEL*a*b*-Farbraum anzeigen.
(Die Definition des Farbortes im CIEL*a*b*-Farbraum ist durchaus vergleichbar mit der Bestimmung der Position eines Schiffes per Satellit.)
Als Maßzahl für den Farbabstand im Farbraum gilt die Bezeichnung Delta E (ΔE). Diese Zahl zeigt als Summe aller Koordinaten den Abstand zum anfänglich definierten Richtwert.
Ein Delta E von: | |
|---|---|
| ΔE 0………0,2 | ist nicht wahrnehmbar |
| ΔE 0,2…..0,5 | ist sehr gering wahrnehmbar |
| ΔE 0,5…..1,5 | ist gering wahrnehmbar |
| ΔE 1,5…..3,0 | ist deutlich wahrnehmbar |
| ΔE 3,0…..6,0 | ist gut wahrnehmbar |
| ΔE >6,0 | fällt auf |
Diese ΔE-Abstände gelten auf jeden Fall für aufgehellte bzw. helle Farben, wie z.B. PMS Cool Gray 3 oder einen entsprechenden Farbton aus anderen Bereichen. Für den dunkelblauen Farbton PMS 289 könnte folgende Tabelle gelten:
Ein Delta E von: | |
|---|---|
| ΔE 0………0,2 | ist nicht wahrnehmbar |
| ΔE 0,2…..0,5 | ist nicht wahrnehmbar |
| ΔE 0,5…..1,5 | ist sehr gering wahrnehmbar |
| ΔE 1,5…..3,0 | ist gering wahrnehmbar |
| ΔE 3,0…..6,0 | ist gut wahrnehmbar |
| ΔE >6,0 | fällt auf |
Der numerisch definierte ΔE-Abstand zeigt aber nur die Summe aller Abweichungen der L*a*b*-Werte. Um die Ursache für diese Differenz zu ergründen, muss man die einzelnen Werte vergleichen:
Ein Abstand von ΔE 4,5 kann unterschiedliche Ursachen haben, z.B.:
- L = + 5,98 (die Farbe ist zu dunkel)
- b = - 0,43 (die Farbe liegt gut im gelb/blauen Bereich)
- a = + 0,23 (die Farbe liegt gut im grün/roten Bereich)
Reaktion: Die Farbe sollte aufgehellt werden oder man versucht, über die Reduzierung der Farbdichte eine optische Annäherung zu erzielen.
Ebenso kann der Abstand von ΔE 4,5 bspw. diese Ursachen haben:
- L = + 0,08 (die Intensität der Farbe ist okay)
- b = - 3,40 (die Farbe ist zu bläulich)
- a = + 5,60 (die Farbe ist zu rötlich)
Reaktion: Je nach Farbton muss das Rezept angepasst werden. Bei einem Lindgrün muss man über das Rezept reagieren. Bei einem Dunkelblau kann durch die Farbführung durchaus eine akzeptable optische Annäherung erzielt werden.
Zusätzliche Abweichungen im ΔE-Bereich können auch durch die Papierfärbung und/oder nachträgliches Lackieren oder eine Kaschierung mit Folie entstehen. Auch fällt dieses bei einem Dunkelblau weniger ins Gewicht als bei einem Lindgrün oder Hellgrau.
Resümee:
Es ist wie immer: „Farbe ist Emotion”. Um diese Emotionen auf einen industriellen Standard zu bekommen ist es unabdingbar, die Messtechnik zur Unterstützung einzusetzen. Aber genauso ist es wichtig, von dem Kunden seine Definition der gewünschten Farbe zu bekommen. Noch wichtiger ist es jedoch, dass jeder Produzent von Drucksachen weiß, inwieweit die Parameter Messtechnik, Bedruckstoff, Farbdichte und Trocknung den Messwert verändern können.
Entscheidend für das Ziel, Zufriedenheit beim Kunden zu erreichen, ist es, dessen Vorstellungen zu kennen und die vorhandene Technik und das Know-how so einzusetzen, dass diese Vorstellungen realisiert werden. Die eingesetzte Messtechnik mit Protokoll dient auf jeden Fall zum Nachweis einer korrekten Arbeitsweise. Dies sollte aber nicht zur „Zwangsjacke“ der Kompetenz des Druckers werden.